Das aktuelle RTL- Interview vor dem Heim- Grand Prix
Der Heim-Grand-Prix am Sachsenring ist gleichzeitig Ihr 100. Rennen. Gibt
es da eine besondere Spannung oder Nervosität?
Beim Heim-Grand Prix immer. Das ist ein Wahnsinnsnervenkitzel. Die Zahl
100 klingt zwar gut, aber das Heimrennen bedeutet mir wesentlich mehr. Die
Zuschauer sind sehr, sehr euphorisch, und stehen größtenteils
hinter mir! Es macht einfach einen sehr großen Spaß, den Sachsenring
zu fahren.
Empfinden Sie es als eine Bürde, dass Sie zum ersten Mal als aussichtsreicher
Favorit nach Hause zurückkehren?
In den letzten Jahren hatte ich wirklich Angst oder zumindest großen
Respekt vor diesem Rennen. Doch ich habe einiges dazugelernt. Jetzt macht
es mir Spaß, daheim zu fahren, denn die Stimmung ist eine ganz andere,
als wenn man als WM-15. zu Hause fahren muss. Natürlich ist ein Druck
da, aber er ist sehr, sehr positiv und spornt mich an.
Gibt es eine Taktik, wie man sich gerade so ein Renen zurechtlegt?
Der Sachsenring ist ein sehr, sehr anspruchsvolles Rennen. Das geht sehr
auf die Kraft und die Ausdauer. Wir fahren 29 Runden, und da muss man schon
etwas abwarten und nicht schon am Anfang das Pulver verschießen. Wir
haben in den letzten Jahren gesehen, dass sich das Rennen in den letzten
10 Runden entscheidet.
Was erwarten Sie für einen Rennverlauf? Wie viele werden am Ende
noch mit in der Spitze fahren?
Ich kann's schlecht einschätzen, letztes Jahr sind zwei vorne gefahren,
und wir haben zu viert um den dritten Platz gekämpft. Ich möchte
dieses Jahr zu den ersten beiden gehören und mich ein wenig absetzen
vom Rest.
Und wie schätzen Sie Ihre WM-Chancen ein?
Wir waren bislang auf jeder Strecke konkurrenzfähig, haben ein gutes
Team und deshalb gute Chancen. Ein Sieg am Sachsenring wäre natürlich
ein Riesending auch für die WM. Ich möchte mindestens meinen
jetzigen zweiten Platz halten und den Ausgang der WM bis zum letzen Rennen
offen halten.
200.000 Zuschauer werden am Wochenende am Sachsenring erwartet. Nehmen
Sie während der Fahrt in Ihrem Visier die Fans rechts und links überhaupt
wahr?
Je schneller man fährt, desto weiter schraubt sich der Blick auf
die Straße. Aber man nimmt die Fans schon wahr, speziell auf dem
Sachsenring, da die Tribünen sehr nah an der Strecke sind. Ich habe
sogar schon einmal den Stab einer Rakete, die ein Zuschauer in die Luft
geschossen hatte, an den Handschuh bekommen, so dass ich bremsen musste.
Man bekommt die Emotionen also hautnah zu spüren. Meine Devise lautet
deshalb: Ohrenstöpsel rein und Konzentration nur auf die nächste
Kurve.
Schotten Sie sich auch vor dem Rennen ab?
Ich kenne wirklich sehr viele Leute da, und alle klopfen einem auf die Schulter.
Deshalb versuche ich mich da ein wenig abzuschotten Ich wohne nur einen
Kilometer entfernt vom Sachsenring und könnte auch gut zu Hause schlafen.
Doch seit ich beim Sachsenring-Rennen mitfahre, habe ich mein Wohnmobil
darin geparkt und versuche auch dieses mal, ab Donnerstag nicht mehr aus
dem Fahrerlager herauszugehen.
Wie haben Sie Ihren Sturz in Donington verarbeitet?
Es hat nicht sehr weh getan. Ich habe ein paar Blessuren davongetragen,
aber das muss man aushalten. Und wenn jetzt der Sachsenring kommt , ist
es hinderlich, wenn man eine Bandage braucht. Aber ich denke, ich kann genauso
angreifen wie in Donington.
Und wie haben Sie Ihren ersten Sieg im Rennen zuvor in Assen verarbeitet?
Hinterher war ich in Schottland und habe mich nicht direkt zu hause blicken
lassen. Zwischendurch gab's aber einen Empfang beim Bürgermeister
und viele Leute haben mir gratuliert. Das war sehr schön, eine tolle
Stimmung und es hat auch richtig gut getan.
Pflegen Sie bestimmte Rituale vor einem Rennen?
Nein, überhaupt nicht. Ich habe mir alles abgewöhnt, obwohl
Rennfahrer von Geburt an abergläubisch sind. Ich gebe nichts auf
Nummern oder irgendwelche Deutungen. Manche ziehen den linken Handschuh
zuerst an, um einfach so ein Ritual zu haben. Ich habe nicht einmal ein
Maskottchen.
Wie werden Sie sich in den letzten Tagen vor dem Rennen vorbereiten?
Ich werde sicherlich noch mal ein paar Stunden mit dem Rennrad trainieren,
ansonsten will ich mich ausruhen. Aber man kann nicht mehr allzu viel
machen. Was man am Anfang einer Saison an Training versäumt hat,
kann man jetzt nicht mehr nachholen.
Ist das Medieninteresse sehr stark gewachsen?
Auf alle Fälle. Vor ein paar Jahren hat das Interesse eigentlich
an der sächsischen Landesgrenze geendet. Für Sachsen war ich
noch interessant, für Bayern und die anderen Bundesländer weniger.
Jetzt bin ich Zweiter in der WM, und das Interesse ist gesamtdeutsch.
Wie wird Ihre Familie das Rennen verfolgen?
Natürlich live am Streckenrand. Und sie werden mir sicher alle Daumen
drücken!